Kleinere Orte in der Region bald ohne Feuerwehr?

„In Pegnitz spiegelt sich das nicht ganz so wider, aber man merkt trotzdem, dass die Bevölkerung immer weniger bereit ist, ein Ehrenamt zu übernehmen“, sagt Roland Zahn, Kommandant der hiesigen Feuerwehr. „Viele gehen nicht mehr dazu, weil ihnen ihre Freizeit wichtiger ist. Andere haben in der Pandemie gemerkt, dass sie auch ohne Vereinsleben, egal, bei welcher Organisation, ganz gut klar kommen.“

Verbreitet in der Bevölkerung sei außerdem der Irrglaube, dass man bei einem Brand oder Unfall die Integrierte Leitstelle (ILS) anrufe und dann nur Menschen anrückten, die dafür bezahlt würden. „Viele wissen gar nicht mehr, dass das oft ehrenamtlich, freiwillig und unentgeltlich gemacht wird“, berichtet Kommandant Zahn.

Nichtsdestotrotz habe die Pegnitzer Feuerwehr vergangenes Jahr sogar vier neue Mitglieder dazu gewonnen, unter anderem einen gut ausgebildeten Feuerwehrmann aus Österreich, der in die Gegend gezogen ist und dem die Kameraden bei einem Kellerbrand zu Hilfe geeilt waren, berichtet Zahn und stellt fest: „So einen Glücksfall hat man selten.“

Ansonsten müssen Quereinsteiger die ganz normale Feuerwehrausbildung durchlaufen. Und da sei man gerade durch die Pandemie arg ausgebremst, insbesondere im Jugendbereich. Während bei den Erwachsenen Übungen nur noch online liefen, liege die Ausbildung der Jugend seit vergangenem Herbst brach. Dabei sei es für alle Aktiven enorm wichtig, regelmäßig praktisch zu üben, unter anderem, um die vielen Geräte im Ernstfall sicher bedienen zu können, sagt der Kommandant und erklärt: „Jeder Monat, den Du nicht praktisch übst, ist ein Rückschritt.

Zahn vergleicht das mit dem Berufsleben. „Lernen tue ich erst so richtig nach der Ausbildung mit der Praxis und Routine.“ Trotzdem hat er volles Verständnis für die aktuellen Regeln: „Ich war in der dummen Situation, dass ich 16 Mann auf einen Schlag in Quarantäne gehabt habe. Damit wir da tagsüber noch ausreichend besetzt waren, mussten die Ortsfeuerwehren einspringen. Deshalb sage ich: Ja, es ist der richtige Weg, dass man die Einsatzbereitschaft über alles stellt.“

Ein Restrisiko bleibt

Schließlich könnten Menschen das Coronavirus weitergeben, die selbst keine Symptome haben, gibt Zahn zu bedenken. In seiner Mannschaft sei es zum Beispiel so, dass 100 Prozent geimpft und 95 Prozent geboostert seien. „Da lässt sich nicht jeder jeden Tag testen.“ Ein Restrisiko bleibe beim persönlichen Kontakt also immer. Und so beschränke sich dieser momentan auf die Einsätze. 141 davon gab es vergangenes Jahr; heuer waren es bislang 15.

Dass mit der angestrebten Durchseuchung der Bevölkerung und dem nahenden Frühjahr bald alles ausgestanden ist, will Zahn noch nicht so recht glauben. Vergangenes Jahr hätten die Aktiven von Mitte Juni bis September wieder einigermaßen üben können; für heuer wagt er da keine Prognose. „Man weiß nicht, welche Varianten noch kommen“, sagt er trocken.

Problem Berufspendler

Für wahrscheinlich hält er jedoch, dass sich auch in der Region in nicht allzu ferner Zukunft viele Feuerwehren in kleineren Ortschaften auflösen werden. Schon jetzt seien dort tagsüber kaum mehr Aktive abrufbar, da sie als Berufspendler nicht vor Ort sind. Und die Jugend als potenzieller Nachwuchs ziehe oft weg.

Trotzdem sei es wichtig, weiter für das Engagement bei der Feuerwehr zu werben. Von Zwangsverpflichtungen, wie sie theoretisch das Feuerwehrgesetz ermöglicht, hält Zahn aber wenig: „Wenn das jemand nicht mit Leib und Seele macht, wird das nichts.“ Auch eine zu zahlende Gebühr oder höhere Steuern für all jene, die sich nicht in einer Hilfsorganisation engagieren, hält der Kommandant für wenig erfolgversprechend: „Vermutlich würde der Betrag so gering ausfallen, dass ihn die meisten lieber zahlen, statt sich zu engagieren.“

Mit Elan habe der Verein seit 2020 versucht, eine Kinderfeuerwehr in Pegnitz aufzubauen. Damals sei man in der glücklichen Lage gewesen, endlich jemanden gefunden zu haben, der das gerne machen wollte. Doch auf den entsprechenden Beschluss des Vorstandes folgte die Pandemie. „Und seitdem liegt die Kinderfeuerwehr auf Eis“, bedauert Zahn.

In der Jugendfeuerwehr haben die Pegnitzer momentan neun Teilnehmer; 2021 seien drei neue dazugekommen und vier zu den Aktiven gewechselt.

„Ländlich und geerdet“

In einer anderen Situation als in Starnberg, wo es viele Zugezogene gibt, sieht sich Sven Zocher, der Kommandant der Auerbacher Wehr. Mit rund 100 Aktiven könne er jederzeit ausrücken, auch tagsüber einen kompletten Löschzug besetzen und die vorgeschriebene Frist von zehn Minuten zum Einsatzort einhalten. „Wir sind im ländlichen Raum und trotzdem geerdet; die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Firmen vor Ort funktioniert sehr gut. So sind wir auch untertags schlagkräftig“, berichtet Zocher.

Kein Selbstläufer

Nichtsdestotrotz sei die Nachwuchsgewinnung kein Selbstläufer: „Du musst dran bleiben. Man muss immer am Ball bleiben.“ Gelegenheiten, sich auf Messen, wie der Frankenpfalz-Messe, und anderen Veranstaltungen zu präsentieren, lasse die Auerbacher Feuerwehr nicht aus. „Man muss im Gespräch bleiben und zeigen, was man macht“, resümiert Zocher. „Dann braucht man sich auch keine Sorgen zu machen.“

Der Zuspruch in der Kinder- und Jugendarbeit scheint ihm Recht zu geben: Zirka 70 Mädchen und Jungen gehören zur Kinderfeuerwehr, wo sich in zwei Gruppen insgesamt neun Betreuer um sie kümmern, sofern es die Pandemie denn zulässt. „Da geht es um ein Heranführen an die Feuerwehr in spielerischer Weise, da erfolgt noch keine Ausbildung“, betont der Kommandant. „Die Kinder haben so eine gute Freizeitbeschäftigung und wir eine gute Öffentlichkeitsarbeit.“

Allerdings räumt auch Zocher ein: „In der momentanen Situation, wo der Landesfeuerwehrverband empfiehlt, Übungen auf das Notwendigste zu reduzieren, ist Jugendwerbung schwierig, fast unmöglich.“ Zwölf bis 15 Jugendliche gibt es derzeit in der Auerbacher Wehr – theoretisch. Denn Angebote oder gar Treffen finden pandemiebedingt nicht statt.

Und auch nach der Jugendarbeit endet die Nachwuchsgewinnung nicht: „Wir haben sehr viele Quereinsteiger, eine komplette Ausbildungsgruppe“, berichtet Zocher. „Gute Feuerwehrfrauen und -männer müssen nicht durch die Kaderschmiede der Kinder- und Jugendfeuerwehr gegangen sein.“